Venedig sehen und sterben?- Das Fazit

Das Fazit unseres Venedigtrips

Letztendlich waren es 2 volle Tage, die wir in Venedig und der nächsten Umgebung verbracht haben. Wenn ich meine Qual durch massivste Mückenstiche (dicke juckende knallrote Pusteln an den Beinen und weniger an den Armen) abrechne, dann muss ich sagen, dass die Landschaft toll ist. Abseits der Touristenmassen ist Venedig eine schöne Stadt. ABER… es ist schwierig, so gross ist Venedig dann auch nicht. Der Dogenpalast war eindrucksvoll. Die Nachbarinseln fand ich eigentlich viel schöner. Vielleicht auch, weil es dort offener und freier ist. Alleine durch die geringere Höhe der Häuser. Venedig selbst ist auf der einen Seite total überfüllt und die Bewohner tun mir echt leid, hat aber auf der anderen Seite einen morbiden Charme, den viele Besucher wohl nicht erkennen. Wir hätten gerne noch das Naturkundemuseum besucht, doch knapp eine Stunde vorher gab es keinen Einlass mehr und die waren kürzer als bei den anderen Museen…

Es war schön Venedig einmal zu sehen und ich bin sicher, dass es noch viel zu sehen gibt. Aber ich verstehe beim besten Willen nicht, was dort so besonders romantisch sein soll. Der Canal grande ist einfach eine grosse Autobahn mitten durch die Stadt. Gondelfahren ist teuer und eine Gondel hängt an der Anderen. Menschenmassen, die meiner Meinung nach nur nach Venedig fahren, weil man da mal hin muss und keinen Blick für die Geschichte und den Charme dieser Stadt haben, die einfach ihre Punkte abarbeiten.

Es gibt viele Städte, die ich bereits einmal besucht habe, in die ich aber wieder zurückkehren will. Es tut mir leid, aber Venedig gehört nicht dazu.

Arrivederci Venezia!

Hier geht es noch einmal zurück zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Venedig sehen und sterben?- Teil 4

Nachdem wir die Lagune von Venedig verlassen hatten, ging es Richtung Proseccoroute. Das war nicht einfach und nicht so erfreulich. Die Ausschilderung ist ein grosses Manko… ausserdem schüttete es immer wieder wie verrückt. Übernachtet haben wir dann auf dem Monte Pizzoc in den Voralpen auf fast 1600m. Am nächsten Morgen zeigte sich der wunderbare Rundumblick. Anscheinend ist der Gipfel auch sehr interessant für Liebespaare, denn rund herum waren Namen mit Steinen auf den Boden gelegt. Knuffig  :) . Und dieser Ausblick von den Dolomiten über die venezianische Ebene zur Adria… ein Traum.

Nachdem wir noch durch das Proseccogebiet gefahren sind und doch kein Weingut gefunden haben, bei dem wir eine Probe hätten machen können (obwohl das Internet ja meinte, dass man ÜBERALL probieren könnte und ÜBERALL Weinfässer dies zeigen würden), hielten wir noch kurz am Kastell in Conegliano. Ich hoffte, dass man uns dort einen Tipp geben könnte. Ein freundlicher Wachmann, der leider nur Italienisch sprach, meinte nur, dass es ÜBERALL in der Gegend guten Prosecco gäbe  :wink: . Half uns irgendwie auch nicht weiter *grins*. Das Museum dort machte erst später auf und so war dies unsere einzige Möglichkeit etwas herauszufinden.

 

Wie in der ganzen Region Venetien waren auch hier wieder die typischen Scaliger Anzeichen, die Schwalbenschwanzzinnen, die ich bereits am Gardasee bewundern konnte. Nachdem uns auf dem ganzen Weg immer und immer wieder „Museo Civico“ und Museen für irgendwelche Kriege über den Weg liefen, wollten wir dann auch in dieses NICHT hinein.

Irgendwo in einem Markt haben wir dann doch noch echten Prosecco mit DOCG-Auszeichnung gekauft. Mittlerweile kann ich sagen, dass er wirklich lecker war. Viel besser als das, was ich aus den 90er und 2000ern als Prosecco kannte.Schade finde ich aber immer noch, dass es mit einer Probe nicht geklappt hat *seufz*.

Die Landschaft ist traumhaft. Auch wenn ich wieder von Schildern verar*** wurde. Da wurden Flüsse gezeigt und da war… NIX. Ab und zu ein tröpfelndes Rinnsal. Sonst einfach wadiähnliche Kies-Sand-Ebenen… Aber es wurde besser! Über den Plöckenpass ging es dann wieder Richtung Heimat. Wirklich beeindruckend dieser Pass. Wir fuhren auf dem Heimweg auch noch durch Obertauern, das für mich nur den Eindruck eines österreichischen Ballermanns machte. Grauenhaft.

Ein Fazit des Venedigtrips gibt es auch noch später. Erster Teil HIER, zweiter Teil HIER und dritter Teil HIER.

Venedig sehen und sterben?- Teil 3

Der dritte Tag unseres Kurztrips startete genau so sonnig wie die 2 Tage zuvor. Wir wollten wieder entgegen der Touristenströme gehen und haben am Morgen mit Burano angefangen. Nicht nur aufgrund der bunten Häuser ist Burano bekannt, sondern auch für seine Spitze. Noch waren die Geschäfte nicht offen und auch die Strassenverkäufer, die auch diese Insel schon erobert haben, waren gerade erst am Aufbauen.

 

Die Müllabfuhr (die wir schon in Venedig gesehen hatten) hat ihre Müllwagen in allen Sprachen der Welt beschrieben und auf Burano begrüsste man uns dann auch in deutsch.

Die Wägen werden auf die Müllschiffe gehoben und öffnen sich unten. Der Mechanismus wird ausgelöst durch das Einrasten auf einem Metallstab.

Und wenn die Italiener eins können, dann sind das wohl schiefe Türme… so viele schiefe Türme wie in und um Venedig habe ich noch nicht gesehen…

 

 

 

Gegenüber der Polizeistation und Rettungswache war das Spitzenmuseum, das ich unbedingt besuchen wollte. Es gab wirklich tolle Spitzenobjekte und ein wunderbarer Lehrfilm mit der Herstellung und Geschichte von Spitze. Empfehlenswert!

Weiter ging es nach Murano. Dazu muss man glaube ich nicht viel sagen. Ein Blick auf Venedig und dann ging es in das Glasmuseum. Was für eine wunderbare Handwerkskunst. Es gab viele Musterbücher für die Millefioriperlen, die in die ganze Welt verkauft wurden. Besonders erstaunt hat mich ein Tafelaufsatz aus dem 18. Jahrhundert. Kleine Blumenarrangements, ein ganzer Garten aus Glas. Unfassbar! Auf ganz Murano gibt es kleine Glasobjekt im Strassenbild. Sei es eine Madonna aus Glas an einem Haus, Kunstobjekte vor einem Hotel.

Weiter ging es dann nach San Michele. Der Friedhof Venedigs ist wirklich einen Besuch wert. Gottseidank sind Friedhöfe nicht das beliebteste Reiseziel für ungehobelte Horden. Was aber wirklich (mal wieder) irritierend war- die Erweiterung des Friedhos von David Chipperfield. Ein grosser grauer Klotz in diesem wunderbaren Ensemble. Anscheinend war es vor wenigen Jahren/Jahrzehnten total in absolut neumodische Objekte als Kontrast in ein altes Gebäudeensemble zu „stecken“. Kann funktionieren. In Venedig meiner Meinung nach nicht.

   

Zum Abschluss ging es noch einmal nach Venedig rein. Und während die Sonne sich allmählich verabschiedete (diesmal nicht aufgrund der Uhrzeit) sagten wir dieser Stadt „Auf Wiedersehen“.

 

 

Erster Teil HIER und zweiter Teil HIER. Den letzten Tag gibt es später.

Venedig sehen und sterben?- Teil 2

Den 2. Tag haben wir ruhig begonnen und nachdem wir auf einem bewachten Parkplatz direkt an den Schiffsanlegern in Punta Sabbioni (5€ für den ganzen Tag) geparkt hatten, kauften wir erst einmal ein 2-Tages-Ticket für den ÖPNV. Das ist nicht nur empfehlenswert, sondern angebracht. Je länger man bleibt, desto billiger wird es sogar, aber auch ein einziger Tag rentiert sich. Auf dem Weg nach Venedig ging es durch die Lagune und vorbei am M.O.S.E-Projekt. Diese Sturmflutsperrwerk (was ein Wort…) ist der noch im Bau befindliche Hochwasserschutz für Venedig. Ziemlich eindrucksvoll und interessant. Ist halt schon was Anderes als die Mittelrheinländerin in mir kennt :wink: .

Und passend zum Titel der Reihe und nach Thomas Mann der Bestattungswagen:

Nach dem ersten Blick auf Venedig ging es auch direkt zum Markusplatz. Noch war es ETWAS ruhiger, da es noch nicht so spät war und die meisten Tagestouristen wohl erst 1 oder 2 Stunden später ankommen. Später war es dann richtig voll. Im Internet hatte ich gelesen, dass man sich den Dogenpalast auf den Nachmittag legen sollte, da die Tagestouristen dort morgens anfangen und sich dann weiter vor arbeiten. Und es standen auch schon Schlangen am Dogenpalast, am Markusdom und am Campanille.

Wir schlugen uns erst einmal an den Massen vorbei und waren schnell weg vom Trubel und tauchten ein in das Wirrwarr der Stadt. Ja, es gibt schöne und romantische Ecken. Schöne Fotomotive und Alltagsleben. Solange man einfach mal irgendwo abbiegt und keinen Zeitdruck hat. Gondelfahren wollten wir definitiv nicht! Dazu gibt es später noch ein „tolles“ Bild.

Ebenfalls ein Internettipp, der aber kein Geheimtipp ist  :wink: : Die Aussichtsplattform im Fondaco dei Tedeschi. das ehemalige deutsche Handelshaus/venezianische Hauptpostamt ist heute ein Edelkaufhaus. Und das merkt man! Türsteher in Livree, die aber unheimlich freundlich sind und auch den Normal-Touri, der offensichtlich Nichts kaufen will, zuvorkommend zur Aussichtsplattform lotsen. Von dort hat man einen wundervollen nahezu Rundumblick über Venedig und besonders den Canal grande, an dem das Haus liegt (direkt an der Rialtobrücke). Ich muss mich dann wieder als Banause outen… interessant… ja ok… aber was ist denn da romantisch?

Nachdem die Carabinieri mit Blaulicht auftauchten und am Kaufhaus anlegten, hatten wir dann auch das erste Mal die Ordnungshüter in Aktion gesehen. Wenn man sich anschaut, was hier in Deutschland an Blaulicht auf den Wägen sitzt und dann das niedliche kleine Blaulicht auf dem Boot sieht… ich habe mich köstlich amüsiert :D !

Um die Ecke des Kaufhauses und nur eine Seitenstrasse von der Rialtobrücke entfernt haben wir uns ein tolles Pizzastück auf die Hand geholt und ich muss sagen- LECKER! Und preislich absolut fair! Ich meine für ein wirklich grosses und sehr gut belegtes Stück (ich glaube 1/8 einer Riesenpizza) 3,50€- da kann man nix sagen! Wir machten uns auf den Weg zur „Bushaltestelle“ um mit der Linie 1 eine Stadtrundfahrt zu machen.

Auf dem Weg haben wir dann die echte Romantik in Venedig gesehen:

Toll, oder? Wie Perlen an einer Kette für viel Geld (80€) eine halbe Stunde durch enge Gassen schippern… auf dem Canal grande mit Vaporetti und Lastkähnen, Privatverkehr etc. konkurrieren. Romantik pur *würg*…

Die Riesenhände an einem Hotel dachte ich, würden wir nicht mehr sehen. Eigentlich sollte „Support“ von Lorenzo Quinn (Sohn von Anthony Quinn) nur zur Biennale 2017 dort sein. Doch die Skulptur war noch da. Ich finde sie wundervoll. Weniger wundervoll fand ich das Bahnhofsgebäude.. Was für ein Kontrast und mir gefällt es überhaupt nicht! Ein Betonklotz ohne irgendein Alleinstellungsmerkmal inmitten dieser uralten Stadt…

 

   

Wie gehofft und vom Internet vorausgesagt, war die Schlange am Dogenpalast am frühen Nachmittag nahezu nicht existent. Innerhalb von 5 Minuten waren wir mit Sicherheitskontrolle und Ticket“kauf“ im Palast (s. 1. Teil- Eintritt für Behinderte). Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk! DAS ist wirklich sehenswert.

Lustig fand ich natürlich den Blick AUS der Seufzerbrücke auf die ganzen Fotografen:

Zum Abend hin wollte ich noch unbedingt die Friedhofsinsel San Michele besuchen. Doch die schloss um 18 Uhr und es war ein paar Minuten davor… Blöd, aber dann halt am nächsten Tag.

Dann machten wir halt noch die grosse Runde nach Punta Sabbioni und wollten schon einmal auskundschaften, was in Murano sehenswert ist. Der Weg führte vorbei am Krankenhaus und der Rettungswache Venedigs. Sogar ein Rettungsboot im Einsatz raste an uns vorbei. Das bessere Drittel will aber dort wohl nicht arbeiten :wink: . Mit den Gegebenheiten ist es glaube ich ganz schön anstrengend.

 

Ein kleiner Rundgang auf Murano wo es so schön ruhig war, da natürlich die Tagestouristen schon weg waren. Sogar ein Brautpaar lief uns über den Weg, das mit seinem Fotografen dann per ÖPNV die Insel mit uns verliess. Damit ging es zurück zum Auto und zum Entspannen am Abend.

Vorbei an Burano in den Sonnenuntergang- DAS nenne ich romantisch!

Zum ersten Teil geht es HIER entlang. Der dritte Tag und zweiter in Venedig folgt später.

Venedig sehen und sterben?- Teil 1

Für 4 Tage sind wir im Mai Richtung Italien gefahren und das bessere Drittel wollte mir Venedig zeigen. Ich wusste ja im Vorfeld nicht, was an dieser Stadt dran sein soll… ok… ich weiss es immer noch nicht. Aber alles schön Eins nach dem Anderen  :D .

Auf dem Weg nach Venedig wollte ich noch eine schöne Stadt besuchen. Ich habe viel recherchiert und bin an Udine hängen geblieben. Die Bilder im Internet machten mich neugierig. Und es gibt einige Museen dort im Schloss.

Zum Thema Eintritt in öffentliche Museen/Ausstellungen/Ausgrabungen für Schwerbehinderte in Italien:

Was uns am Gardasee noch überrascht hat, habe ich im Vorfeld genauer überprüft. Es ist schwierig etwas wirklich Genaues im Internet zu finden oder es ist so schlecht formuliert, dass man unsicher wird. Ich habe nachgefragt und in den Tiefen des Internets dann endlich etwas gefunden! 

Für Schwerbehinderte und 1 Begleitperson ist der Eintritt FREI! „Um einen freien Eintritt zu erhalten, muss die entsprechende Person ein Dokument vorlegen, dass von einer Behörde ausgestellt wurde und den Zustand der Person aufweist.“ (Venezia Unica). 

Ich hatte mir so schön einen Satz eingeprägt und brauchte ihn kein einziges Mal. Schwerbehindertenausweis gezeigt und -zack- hatten wir 2 Tickets in der Hand. Ich kam nicht mal dazu was zu sagen. Das gilt aber nur für öffentliche Sachen!

Also das nenne ich mal behindertenfreundlich!!!

Aber zurück zum Thema  :wink:

In Udine ging es zuerst einmal ins Schloss und seine Museen. Das Museum des Risorgimento, in dem es um die italienische Unabhängigkeit geht, um Garibaldi und die Kämpfe mit Österreich-Ungarn.

Das Archäologiemuseum hat mich besonders überrascht. Überall gab es Hilfen für Behinderte. Dinge zum Abtasten, es wurde mit Gerüchen gearbeitet und Audiounterstützung

 

Die Galerie für antike Kunst und der Ratssaal waren einfach überwältigend.

Die Dame unten war nicht so angestrahlt, das Bild war so gemalt, dass es einen direkt „ansprang“. Ein bisserl gruselig schon… 

Diese 2 Bilder waren einfach klasse. Ich war zuerst nur fasziniert von dem unfertigen Bild mit vielen Skizzen an den unbemalten Rändern. Erst mein besseres Drittel wies mich dann mal darauf hin, dass das fertige Bild links daneben hing… *peinlich* ich war so gefesselt, dass ich das einfach nicht gesehen habe.

Das Museum für Fotografie war leider nicht geöffnet und so ging es wieder den Berg runter in die Innenstadt.

Der älteste Platz der Stadt- die Piazza della Liberta- mit dem wunderschönen Rathaus sind wirklich sehenswert. Klein, aber fein! Wenn die Sonne nicht so gebrannt hätte, dann wären wir vielleicht sogar noch länger geblieben. So machten wir uns auf Landstrassen durch die schöne Gegend weiter Richtung Venedig.

Am späten Nachmittag kamen wir in Punta Sabbioni an, das wir zu unserem „Stützpunkt“ erkoren hatten. Die Landzunge schliesst sozusagen die Lagune von Venedig im Osten zur Adria ab und es gibt eine direkte Vaporetto-Verbindung zum Markusplatz (Vaporetto- Mehrzahl Vaporetti- sind übrigens der ÖPNV Venedigs, die Wasserbusse). Im Sommer ist hier bestimmt auch die Hölle los, aber nu war es wunderbar ruhig, leer und der Strand noch nicht ganz fertig aufgeräumt. Innerhalb von 35 Minuten ist man durch die Lagune geschippert und mitten im Rummel, doch dazu in einem späteren Artikel mehr. Mit einem Blick Richtung Venedig im Sonnenuntergang endete der 1. Tag gemütlich.